Schwerter - Mythos und Wirklichkeit
In Filmen und Fernsehshows wird oft die Nutzung und Anwendung des Schwertes nicht richtig gezeigt. Wir sehen oft, dass diese falsche Darstellung für die Wahrheit gehalten wird. Wenn man solche Mythen und sinnlose Übertreibungen im Kopf hat, kann man beim Nachmachen sehr schnell ernüchtert werden. Außerdem gefährdet man damit auch sich selbst und vor allem auch andere Personen!
Ein Schwert ist nichts weiter, als eine gelungene Verbindung aus Stahl (Eisen, Kohlenstoff und Spurenelemente), Holz und auch Leder und Edelmetallen. Erst die Fähigkeit des Schmiedes formt aus diesen Komponenten ein flexibles und belastbares Gesamtwerk. Aber auch wenn das Schwert zu den häufigsten Symbolen der Menschheit zählt, stets Macht und Unbesiegbarkeit demonstriert hat es bis heute noch nichts von seinem Glanz verloren hat; Für ein Schwert gelten die selben physikalischen Grundgesetze, wie für jedes andere Eisen- oder Stahlteil auch. Die Vergnügungsindustrie präsentiert die Schwerter als Instrumente, mit denen man unglaublich harte Objekte schneiden kann. Ob Beton, Marmor, Klinker, Stäbe, usw. Oft hinterlassen solche „Schandtaten“ im entsprechenden Film nicht einen einzigen Kratzer auf der Waffe. Der Held pariert und kämpft natürlich nur Schneide an Schneide und Klinge gegen Klinge. Aber welch ein Wunder! Das Schwert des Gegners zerbricht oder zerspringt gar in tausend Teile, aber das Schwert des Helden ist unversehrt und strahlt spätestens in der nächsten Szene wieder absolut neuwertig dem Zuschauer entgegen! Das sind aber reine Erfindungen. Kein Schwert kann ein Objekt schneiden, das härter als es selbst ist. Außerdem kommt kein Schwert, dass ein etwas weicheres Material schneidet ohne diverse Kratzer und Scharten davon.
In der Vergangenheit polierten die Menschen ihre Schwerter mit feinem Sandsteinen, die zusätzlich auch noch in Wasser liefen - nicht mit Steinen aus Arkansas, wie es in dem Film Highlander zu sehen ist (Machen Sie das bitte nicht nach, das wäre ein echter Frevel!). Stahlschwerter stellt man auch nicht einfach durch Gießen von flüssiger Metallschmelze in einer Gussform her und die Klinge wird dann auch nicht durch bloßes Abkühlen hart. So albern sieht die Herstellung der Schwerter in dem Film Conan aber aus! Ähnlich war in der Bronzezeit die Herstellung der Schwerter. Aber auch in dieser frühen Epoche machte man die so entstandenen Rohlinge erst durch das wiederholte Schmieden hart und flexibel. Schwerter sollten auch nie mit einem elektrischen Messerschärfer geschliffen werden, weil sie eine ganz andere Schneidengeometrie als moderne Küchenmesser haben. Der Gebrauch solch eines Werkzeuges an einem Schwert ist ein Verbrechen für jeden Experten und Kenner! Viele Filmschwerter bestehen in Wirklichkeit aus weichem Aluminium, Kunststoff, Gummi, oder aus mit Metallfolie bezogenem Holz. Und wenn Sie im Kino sehen, wie Schwerter leichthändig in Säulen gestoßen werden, dann ist eben diese Säule ganz sicher aus Styropor oder Pappe.
Originale Schwerter aus alten Zeiten, echte Stücke aus Museen und Ausstellungen, wiegen auch viel weniger als die teilweise bis zu 4,5 Kg schweren Schauerlichkeiten von heute. Metallprügel, die sich für echte Schwerter ausgeben wollen! Manche Leute behaupten, alte Schwerter wogen 10 - 20 oder sogar 50 kg. Dabei handelt es sich um eine reine Erfindung. Es gab recht wenig Stücke, die ein Gewicht von 9 kg erreichten, sie dienten aber lediglich zeremoniellen Zwecken. Wirkliche Kampfschwerter, d.h. normale Ritterschwerter für eine Hand wogen oft um die 1,2 kg. Zweihändige Langschwerter wogen um die 1,8 - 2,0 kg. Wenn Ihr Schwert 45kg wiegen würde, wären Sie in den ersten Sekunden der Schlacht total erschöpft und ein Kämpfer mit einem leichten Schwert hätte Sie getötet, bevor Sie Ihren „Prügel“ auch nur angehoben hätten!
Das richtige und vorsätzliche Ziel der historischen Schwerter war die Verletzung von Fleisch und Knochen. Viele europäisch-mittelalterlichen Kunstwerke stellen das Schwert aber bildlich als eine die Rüstung durchstechende Waffe dar. Manche Historiker glauben es, andere halten es für eine reine Übertreibung aus der verklärten Epoche der Romantik. Abgesehen von diesen Meinungen, eine wirklich gute Waffe für das Durchstoßen einer Rüstung ist entweder ein Bogen mit hohem Zuggewicht, eine Armbrust, ein Streithammer oder ein Morgenstern. Nur die Panzerstecher, spezielle Schwerter mit besonderst starken und spitzen Klingen wurden zum Durchbohren von Rüstungen verwendet. Diese Schwertform ist aber auch ein Ausnahmefall, dabei handelt es sich eher um einen Eispickel mit Schwertgriff, eben um einen „Panzerstecher“. Weit verbreitet ist auch der Aberglaube, beim Schwertkampf ginge es nur um viele (natürlich laut klingende und ausdrucksstarke) Schläge mit Schneide gegen Schneide. Die Vorbilder aus dem Fernsehen, die Requisiten und Filmschwerter sind aber aus weichem Aluminium mit breiten und abgerundeten Schlagkanten, damit die Schauspieler auch ohne zeitraubendes und teures Training von Schaukampf und historischer Fechtkunst einigermaßen ordentliche Kämpfe im Film zeigen können. Antike Schwerter haben aber viel mehr Schlagspuren auf den flachen Seiten der Klinge, und zeitgenössische Fechtbücher sagen ganz klar, dass man direkte Treffer von Schneide auf Schneide vermeiden soll. Stattdessen soll man geschickt parieren, also aktiv kämpfen und sich nicht in die Defensive treiben lassen. Kinofilme und TV-Serien wie Highlander lehren Sie aber: "Du willst Dich mit der Klingenschneide [in dem Fall ein Katana] schützen, weil sie der härteste Teil des Schwertes ist." Das stimmt zwar, aber die Schneide ist aber zugleich auch der dünnste und vor allem der sprödeste Teil des Schwertes. Der Highlander zerstört in jeder Kampfszene mehrere Requisitenklingen. Wenige Schläge zerhacken die Schneide und die Klinge muss daher oft ersetzt werden. Die Kämpfe mit authentischen Schwertrepliken wären für die Filmproduktion deshalb sehr kostspielig. Sind Sie so vermögend? Oder besser gefragt; Wollen Sie das wirklich Ihrem ganz eigenen Schwert zumuten?

